Interview mit BRIGITTE

DER SINN DES LEBENS?

Meiner wurde in diesem schönen Artikel zusammengefasst. In Kooperation mit Brigitte.de und Jimdo bloggt Anna über Lebensträume. Lest rein und erfahrt mehr über mein Lebensprojekt - JOURAVEL DESIGN

Interview Jouravel Design Jimdo

Eines Abends erhielt ich per E-Mail eine Anfrage. Brigitte und Jimdo tuen sich zum Thema Lebensträume zusammen - und möchten mich interviewen. Was für ein spannendes Thema und was für eine Chance! Unter dem letzten schönen Sonnenschein dieses Jahres trafen wir uns in Hamburg  und hatten ein ganz wunderbares, offenes Gespräch. Den Artikel gibt es auf Brigitte.de zu lesen.

An dieser Stelle nochmal ein großes Dankeschön an das gesamte Brigitte und Jimdo Team und insbesondere Anna!

Da der Artikel nun offline ist, hier die Abschrift

„Der Sinn des Lebens? Rauszugehen, wenn die Sonne scheint!“

Wer die Berliner Designerin Jenia Jouravel trifft, erlebt eine zierliche, hübsche, quirlige Frau. Fröhlich und wissbegierig, rast und ruhelos.

Sie redet schneller, als manch anderer denken kann. Die 30 Jährige, die mit fünf Jahren aus Russland nach Deutschland kam, ist ein Arbeitstier. Selten habe ich jemanden erlebt, der so enthusiastisch von seiner Arbeit spricht. Sie liebt das, was  sie tut, aus vollem       Herzen. Ihre Leidenschaft ist Inspiration pur. Doch was tut sie eigentlich genau bei Jouravel Design? „Das ist schwierig zu erklären“, so Jenia lachend. „Einerseits bin ich studierte Modedesignerin, andererseits zeichne ich und verdiene mein Geld mit Porträts und Kunst.“

 

Foto: Jasmin Schreiber

Klein aber oho: In der zierlichen Jenia steckt jede Menge Power

Mit Jenia habe ich ein sehr persönliches, offenes Gespräch geführt – und war beeindruckt

 

Jenia, die Modedesignerin

 

Fangen wir mit dem Modedesign an. „Ich habe in Berlin eine Schneiderausbildung gemacht und anschließend Modedesign studiert“, erzählt Jenia. „Ich wollte alle Zusammenhänge verstehen. Deshalb habe ich mich für eine Technische Hochschule entschieden, an der ich auch die Maschinen kennenlerne. Ich wollte nie eine Designerin werden, die nur hübsche Bildchen malt. Stoffe, Hautverträglichkeiten, Schnitt, Produktion, Fertigung, Vertrieb – ich habe gern den Überblick.“ Sie schloss ihr Studium mit einer Kollektion ab, die aneckt. Metall und Leder, Großstadt und Punk. Kein Bling Bling, sondern ein Statement gegen den Konformismus.

„Bei der Verteidigung meiner Abschlusskollektion waren die Professoren überrascht und sagten, dass solch eine Art der Abschlusskollektionen sehr selten ist und dass meine Philosophie stark an Rick Owens und Haider Ackermann erinnert“, so Jenia. „Nicht einfach, aber schön“, lautete das Fazit der Professoren.

In der Modebranche Fuß zu fassen war nicht leicht, auch weil Jenia sich selbst nicht in einer klassischen Festanstellung sah. „Mir war schon immer klar, dass ein 9-to-5 Job nicht das Richtige für mich ist“, sagt sie. „Ich will in Projekten arbeiten. Ich bin zu getrieben, um zu verweilen. Und ich will mir nichts vorgeben lassen. Ich will mein Ding machen – von A bis Z.“

So entschied sie sich für die Selbstständigkeit und arbeitet aktuell an ihrer neuen Kollektion: RAW by Jouravel Design. Eine dunkle Kollektion, inspiriert von japanischen Einflüssen, dem Punk der 70erJahre und klassischer Eleganz – eine ziemlich spannende Mischung. „Die Kollektion richtet sich an Charaktere, die sich zurückgenommene modische Exzentrizität wünschen“, erklärt Jenia. „Harte Kanten bei den Männern, weich fließende Konturen

bei Frauen, alles aus angenehmen, atmungsaktiven Baumwollstoffen. Ich fange mit TShirts an und realisiere nach und nach die komplette Kollektion!“ Vom Design bis zur Fertigung macht Jenia alles selbst. Die Stücke wird es im OnlineShop sowie bei Dawanda und Etsy geben. Vielleicht auch irgendwann im Einzelhandel. Jenia denkt dabei über die

Landesgrenzen hinweg, ihr Style passt vielleicht in mutige Läden wie „WUT Berlin“ in Tokio. „Aber das ist noch Zukunftsmusik“, so Jenia.

Sie erklärt, was ihre Mode ausmacht: „Wir vergessen oft, dass Kleidung auch auf uns selbst wirkt. Man trägt etwas, um eine gewisse Außenwirkung zu erzielen. Dabei ist man selbst den ganzen Tag von den Stoffen und Farben umhüllt. Das beeinflusst deine Haltung, deine Gefühle, deine Handlungen. Viele fremde Designs zielen ausschließlich auf die Außenwirkung ab. Meine Kollektionen gehen auch nach innen. Sie transportieren Gefühle und spiegeln die innere Zerrissenheit.“

 

Jenia, die Künstlerin

 

Wie ihre Mode sind auch Jenias Bilder keine leichte Kost. „Mich interessieren keine Oberflächlichkeiten, kein schöner Schein. Ich suche nach dem Dahinter, der versteckten Wahrheit, dem inneren Gefühl. Dem Charakter der Sache. Ich möchte der Gesellschaft etwas Reales zeigen, ob es gefällt oder nicht.“ Jenia überbrückte die Zeit bis zum Studienbeginn mit dem Zeichnen. Erst als Vorbereitung auf ihr Studium, zunehmend als wahre Leidenschaft. „Dabei wollte ich nie Künstlerin werden“, erzählt Jenia. Doch die Lust am Zeichnen verging nicht, auch nicht mit dem Beginn des Studiums. „Ich habe eine Weile versucht, mich zwischen Kunst und Modedesign zu entscheiden. Doch das blockiert mich mehr, als wenn ich einfach beides mache.

Beim Zeichnen kann ich alles fließen lassen. Es ist Meditation, Entspannung, Ruhe, aber auch Austoben und Leidenschaft. Ich suche nicht nach dem Schönen, sondern nach einem tiefen Ausdruck. Wenn ich den finde und festhalte, kribbelt alles. Dieser eine Strich, der richtig sitzt, ist wie ein Jackpot im Lotto.“

 

Jenia, der Mensch

 

Jenias größte Schwierigkeit war lange ihr mangelndes Selbstbewusstsein. „Ich habe früher wenig Zuspruch bekommen und dachte immer, dass meine Arbeit niemals gut genug ist“, berichtet sie von ihren Selbstzweifeln. „Vor etwa fünf Jahren haben mich Freunde angeschrien: ‚Mach das! Sieht super aus! Hör endlich auf, dich selbst zu kritisieren!’ Im Studium habe ich dann gemerkt, dass meine Designs gut ankommen. Meine Zeichnungen wurden sogar ausgestellt. Da wurde mir klar, dass ich vielleicht wirklich ganz gut bin. Das hat mich gepusht.“

Jenia traute sich endlich zu zeigen, was sie kann. Und sie suchte nach einem Weg, ihr Portfolio, ihre Projekte und ihre Ideen zu präsentieren. „Ich brauchte eine Webseite“, erzählt sie. „Mein Mann hat mir dann Jimdo empfohlen. Ich habe mich einen Tag drangesetzt und wusste: Das funktioniert!“

Sie stellte ihre Arbeiten online und trug ihre Ideen in die Welt hinaus. „Bis zu dem Zeitpunkt fiel es mir schwer zu erklären, was alles zu meiner Arbeit dazugehört.

Seit ich meine Seite habe, kann ich einfach darauf verweisen. Für viele meiner Familienmitglieder war es ein großes AhaErlebnis, endlich haben sie verstanden, was ich den ganzen Tag mache.“

Jenia bekam viel positive Resonanz auf ihre JimdoSeite, die sie ganz auf ihre Bedürfnisse individualisierte und auf die sie sehr stolz ist. Manchmal bekommt sie sogar Mails von Fremden, die auf ihrer Seite landen und eine Nachricht hinterlassen. „In den Mails steht dann: ‚Hey, coole Arbeit, mach weiter so.’ Wenn ich das lese, kommen mir die Tränen vor Rührung, dass sich jemand dafür Zeit genommen hat.“

Jenia ist dankbar für das, was sie schon erreicht hat, und das, was ihr an Möglichkeiten offensteht. „Ich lebe in Europa, ich bin jung, intelligent, hübsch und habe einen deutschen Pass. Ich hatte die Möglichkeit, zu studieren, also habe ich es getan. Ich nehme jeden Kurs, jede Weiterbildung mit. Ich bin mir sehr bewusst, wie privilegiert ich bin. In mir sitzt ein kleiner russischer Soldat, der sagt:

,Weitermarschieren, immer weiterʻ!“

 

Trotz all der Arbeit vergisst Jenia nie, worum es ihr eigentlich geht: Sie möchte glücklich sein. Frei sein. Rausgehen, wenn die Sonne scheint. „Vielleicht ist das der Sinn des Lebens: rauszugehen, wenn die Sonne scheint. Man lebt nur einmal, dann sollte man es auch richtig machen.“